Samstag, 9. Juni 2012
Alabaster, erst einmal.
leiseundbarfuss, 02:36h
Mir bedeutet diese Art von Leben so viel und gleichzeitig so wenig (was vernünftig ist), dass ich mich selbst nirgendwo einzuordnen weiß. Mir steht die Widerlichkeit meiner Realität modrig im Hals und ich erbreche sie auf jeden Tisch, der mir über die Füße kommt. "Na ja, dann ist es doch ganz einfach", sagen mir Freunde und Fremde im Floskelton, "Wenn dir dieses Dasein nicht gefällt, gestalte es eben um." - Nein, verdammt! Ihr habt mir wieder nicht zugehört! Ich definiere mich über diese Art von Leben, auch wenn es mir nicht gefällt: Ich sitze fest zwischen Lob und Schweißausbrüchen! Kaum lecke ich mir die Finger nach der knapp aufgefangenen Bestätigung- die ich liebe, die ich brauche- schmecken sie wieder nur nach Salz und ich hasche, hasche nach den Honigperlen im Wind, den ich selbst blase und umleite über dich und sie und dort: Resonanz. Eine Brise wird reflektiert, sie riecht kurz nach Zuckerwatte und schmilzt dann sofort. Es ist immer das gleiche. So wie ich Tränen aus den Kniekehlen schwitze und mich über das Weiß der Zettel beuge: Sie sehen alle blank aus, die Schrift ist mir plötzlich unbekannt. Da meldet ihr euch wieder zu Wort: "Mach dich mal locker, du setzt dich selbst viel zu sehr unter Druck." - Ruhe! Verdammt noch mal! Gebt endlich Ruhe! Ihr äußert solche Binsenweisheiten und wischt meine Kotze von der Platte, als wäre die Kotze das Problem! Lasst mich! Lasst mich einfach alle Bücher der Welt verbrennen und selbst neu schreiben. Es stünde rein gar nichts darin, außer: Liebe. Aber ihr versteht das dann wieder nicht. Ihr setzt wie damals hinzu: Wimpern, Blumen, Briefe, Eitelkeit, Eifersucht, Unmut, Hass, Blut, Hitze, Tränen, Weigerung, Tod, Zeilen, Hunger, Wahn, Genuss und einen Spatzen in den Haselnussbaum oder sonst wo hin, einen Rattenkadaver mitten auf die Straße und fahles Laternenlicht, leise Dünen und den Blick auf die tosende Autobahn: ein Gefühl wie zerrauscht werden. Schon wieder müsste ich zündeln; ich kann es sein lassen. Stattdessen lerne ich Wörter auswendig. Für den Fall, dass uns unsere eigenen irgendwann ausgehen.
Warte mal kurz. Diese eine Vokabel verstehe ich nicht. Da steht: Ich.-
Warte mal kurz. Diese eine Vokabel verstehe ich nicht. Da steht: Ich.-
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Montag, 4. Juni 2012
Von der Freiheit.
leiseundbarfuss, 20:33h
Wie lange muss man an etwas denken, bis es zum Vergehen wird?
- Woran denkst du denn?
- Das verrate ich nicht.
- Warum nicht?
- Weil es nichts Gutes ist, über das ich nachsinne.
- Ich verstehe.
- Wie bitte?
- Du hast längst entschieden, ob dein Gedanke ein
Vergehen ist.
Woher weiß man, in welchem Moment "mehr Glück" nun nicht möglich ist? Braucht man nicht immer einen geeigneten Vergleich, um das beurteilen zu können?
- Wie viele Vergleiche brauchst du denn noch?
- So viele, bis ich weiß, dass es Glück ist.
- Du möchtest so lange probieren, bis du das Optimum erreicht hast?
- Ja.
- Und was, wenn du schon angekommen bist, ohne es zu wissen? Dann gehst du noch einen Schritt weiter und fällst.
- Ich hasse Mathematik.
3/6/12
- Woran denkst du denn?
- Das verrate ich nicht.
- Warum nicht?
- Weil es nichts Gutes ist, über das ich nachsinne.
- Ich verstehe.
- Wie bitte?
- Du hast längst entschieden, ob dein Gedanke ein
Vergehen ist.
Woher weiß man, in welchem Moment "mehr Glück" nun nicht möglich ist? Braucht man nicht immer einen geeigneten Vergleich, um das beurteilen zu können?
- Wie viele Vergleiche brauchst du denn noch?
- So viele, bis ich weiß, dass es Glück ist.
- Du möchtest so lange probieren, bis du das Optimum erreicht hast?
- Ja.
- Und was, wenn du schon angekommen bist, ohne es zu wissen? Dann gehst du noch einen Schritt weiter und fällst.
- Ich hasse Mathematik.
3/6/12
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Freitag, 1. Juni 2012
Für den Anfang: Kein Anfang.
leiseundbarfuss, 17:12h
Ich wollte gerne so beginnen:
>> Margaret Atwood schreibt in 'Wahre Romanzen': "Nicht Sex ist das Problem, das Problem ist die Sprache." Ich aber sage euch: Das Problem ist unsere Vergangenheit. <<
Jetzt frage ich mich, warum es überhaupt immer ein Problem geben muss. Auch ein bisschen, warum es Sprache und- der Vollständigkeit halber- warum es Sex geben muss. Warum die meisten Fragen ins Leere führen und die wenigsten Wege nach Rom, noch weniger zurück in die Vergangenheit; klar, das wäre zu gefährlich, das muss ich nicht fragen. Ungeachtet der Tatsache, dass es kein Problem geben müsste, strenggenommen, ist jene unser größtes. Jetzt zumindest.
Ich schließe für dreißig Sekunden die Augen, atme ein einziges Mal ein dabei- mein "Jetzt" ist jetzt Vergangenheit.
>> Margaret Atwood schreibt in 'Wahre Romanzen': "Nicht Sex ist das Problem, das Problem ist die Sprache." Ich aber sage euch: Das Problem ist unsere Vergangenheit. <<
Jetzt frage ich mich, warum es überhaupt immer ein Problem geben muss. Auch ein bisschen, warum es Sprache und- der Vollständigkeit halber- warum es Sex geben muss. Warum die meisten Fragen ins Leere führen und die wenigsten Wege nach Rom, noch weniger zurück in die Vergangenheit; klar, das wäre zu gefährlich, das muss ich nicht fragen. Ungeachtet der Tatsache, dass es kein Problem geben müsste, strenggenommen, ist jene unser größtes. Jetzt zumindest.
Ich schließe für dreißig Sekunden die Augen, atme ein einziges Mal ein dabei- mein "Jetzt" ist jetzt Vergangenheit.
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